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«Wir sind nicht hochmütig»

EDU-Parteipräsident Hans Rudolf Holzer hofft, dass sich die Anzahl Sitze im Lysser Parlament von einem auf zwei verdoppelt. Ambitionen für den Gemeinderat hegt die kleine Partei keine – sie unterstützt die Fraktionspartnerin SVP.

 

Die EDU Lyss ist vor acht Jahren als Gegenpol zur EVP gegründet worden. Diese stehe eher in der Mitte, während Hans Rudolf Holzer, Präsident der Eidgenössisch-Demokratischen Union Lyss, seine Partei als «bürgerlich-christlich» positioniert. Zur Listenverbindung von EVP und SP sagt er:_«Ich würde nie eine Listenverbindung mit der SP eingehen. Da ist man schon fast bei der Juso.» Seine Partei bezeichnet er als «Gegenteil der Juso».

Für Holzer äussert sich das etwa in der klaren Haltung bei den Themen Ausländerpolitik oder Abtreibung:_Es müsse stets nach Lösungen gesucht werden, damit «ein Kind nicht weggeworfen wird». Und zum Fall des Nidauers Imams Abu Ramadan sagt Holzer:_«Da hört bei der EDU die Christlichkeit auf.»_

 

Im Lysser Parlament ist die EDU seit vier Jahren mit einem Sitz vertreten – Heinz Garo hält diesen inne. «Die Wahl kam damals überraschend. Nun habe ich mich eingelebt und möchte es nochmals probieren.»

Bei Natur-Themen ist Garo oftmals derselben Meinung wie die Grünen. Denn er arbeitet als Naturschutzaufseher für den Kanton Bern und ist zudem Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Lyss.

Im Grossen Gemeinderat bildet er jedoch gemeinsam mit der SVP eine Fraktion. Darin fühlt er sich gut integriert. «Ich kann meine Meinung einbringen, muss aber nicht alles übernehmen.» Generell stimmt die SVP-Fraktion geschlossen ab – erlaubt sei höchstens eine Enthaltung. «Ich habe mich aber auch schon allein für etwas eingesetzt oder die SVP von meiner Position überzeugen können.» So habe die Fraktion auf seinen Rat hin als einzige gegen den mittlerweile gebauten Radweg ins Industriequartier gestimmt. Als «persönlichen Sieg» verbucht Garo, dass bei den Wirkungszielen im Rahmen der jährlich definierten Leistungsvorgaben das Siedlungsgebiet vom Kulturland getrennt wurde und für beide nun unterschiedliche Ziele definiert werden. «Da habe ich Widerstand befürchtet», sagt Garo.

Das Ziel der diesjährigen Wahlen ist laut Hans Rudolf Holzer, den Parlamentssitz zu verteidigen und «nach Möglichkeit einen weiteren Sitz zuzulegen». «Stimmen an uns sind in keinem Fall verloren, sondern gehen allenfalls an die SVP», sagt Garo im Hinblick auf die Listenverbindung.

Gemeinderatskandidaten stellt die EDU keinen. «Wir sind nicht hochmütig», so Holzer, «sondern wir unterstützen die Kandidaten der SVP.» Bei der Wahl ums Gemeindepräsidium erhält der amtierende Präsident Andreas Hegg die Stimme der EDU-Politiker – «fast all dessen Ziele unterstütze auch ich», sagt Holzer.   

 

Zu den Problemen in Lyss befragt, nennt Heinz Garo als erstes die geplanten zwei Bundesasylzentren. Hans Rudolf Holzer nennt den Missstand im Asylwesen und in der Sozialhilfe, der konsequent angegangen werden soll. «Sobald Sozialdetektive wieder legal sind, würde ich vorschlagen, dass wir in Lyss einen engagieren.» Man müsse «knallhart schauen, wer Anspruch auf Unterstützung hat und wer nicht».

Ein anderer Kritikpunkt betrifft den Ortscharakter: «Generell haben wir eine hohe Lebensqualität», so Heinz Garo, «aber Lyss fehlt der Charme.» Mit dem Lyssbach besitze man eigentlich ein gutes Instrument dazu. Schön fände er, wenn der Zugang zum Wasser erleichtert würde. 

Standpunkte

Bauliche Entwicklung

Heinz Garo (HG):_«Lyss explodiert nahezu. Nun muss man eher in die Höhe als in die Breite bauen. Ich setze mich für grüne Flächen im Siedlungsraum ein. Und irgendwo sollten auch noch unsere Lebensmittel produziert werden.»

Hans Rudolf Holzer (HH):_«Nun braucht es ein schlaues Gesamtkonzept für Bau und Verkehr.»

Finanzen

HH:_«Ich befürworte den Schuldenabbau, einen attraktiven Steuersatz und die Förderung des Wirtschaftsstandortes. Sparen würde ich bei der Kultur.»

HG:_«Wir haben die Finanzen gut in den Griff bekommen. Nun muss man aufpassen, denn es stehen noch ein paar Brocken an.»

Wirtschaft

HH:_«Wir unterstützen die Pläne, dass die Gemeinde im Industriegebiet Nord Land zurückkauft und dann Firmen sucht, die gut zu Lyss passen.»

Schulraum

HG:_«Hier ist die Gemeinde gefordert. Bei den Schulen darf man nicht sparen.»

HH:_«Aber ein Gymnasium brauchen wir nicht. Das Stegmattschulhaus sollte man nicht teuer sanieren, sondern Teil für Teil ersetzen. Das wäre günstiger.»

Zentrale Verwaltung

HG:_«Schulraum ist wichtiger. Alles am gleichen Ort zu haben wäre zwar  schön, hat aber keine Priorität. Wichtiger wäre, dass es sich bei den Räumen um Eigentum handelt.»

 

EDU Kandidaten für den Grosser Gemeinderat Lyss

Heinz Garo (bisher).

Lukas Holzer, Hans Rudolf Holzer, Stefanie Sandeck, Beat Häni, Monika Garo, Paul Zocchi, Matthias Leitner, Marie Jakob, Urs Frei, Werner Holzer, Margrit von Ballmoos, Otto Mannhart (alle neu). 

 

Andrea Butorin | Stv. Ressortleiterin Region

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